Arthrose und Osteoporose sind behindernde Krankheiten des Bewegungsapparates
und kommen beide mit zunehmender Häufigkeit in fortgeschrittenem Alter und
bei postklimakterischen Frauen vor. Die klinische Beobachtung zeigt, daß diese
beiden Krankheiten praktisch nie zusammen in einem Individuum auftreten. Während
die Arthrose bei Patienten mit Osteoporose ungewöhnlich ist, scheinen solche mit
Arthrose gegen Osteoporose immun zu sein (Dequecker).
Diese umgekehrte Beziehung wurde klinisch bereits vor vier Jahrzehnten von bedeutenden
Ärzten festgestellt. Die beeindruckendsten klinischen Beobachtungen hierbei sind
die allgemeine Abwesenheit von Arthrose im Femurkopf, wenn dieser z.B. während der
Behandlung von Schenkelhalsfrakturen entfernt wird und die Seltenheit atraumatischer
Hüft- und Wirbelkörperfrakturen bei Patienten mit Arthrose. Patienten mit
primärer Osteoporose und jene mit Arthrose scheinen folglich, anthropologisch
völlig unterschiedliche Bevölkerungen darzustellen.
Mit dem Beginn präziser Messungen von Knochenmasse und -dichte wurde Forschern ein
Werkzeug gegeben, diese umgekehrte Beziehung zwischen Arthrose und Osteoporose im
Zusammenhang zu untersuchen. Zuerst wurden kleine Serien von Patienten untersucht, und
vor einiger Zeit auch große epidemiologische Umfragen veröffentlicht.
In 28 dieser Studien wurde eine relevante Zunahme der Knochendichte bei den Arthose-Patienten
entdeckt, die mit “age- und sex-matched“ Kontrollen verglichen wurden. Eine Veränderung
des Körpergewichtes spielte dabei in den wenigsten Studien eine Rolle.
Es mehrten sich die Hinweise, daß die Arthrose anfangs eher als eine Knochen- als eine
Knorpel-Krankheit aufgefaßt werden muß.
Arthrose ist ein physiologisches Ungleichgewicht, ein "joint failure" ähnlich dem sog.
"heart failure" in dem mechanische und konstitutionelle Faktoren eine Rolle spielen.
Beginn und Verlauf des Knorpel-Schadens sind unterschiedliche Vorgänge. Einer der
Mechanismen zur Arthroseentstehung könnte die subchondrale Knochen-Steifheit sein,
die oft Teil einer allgemeiner Knochendichte-Zunahme ist (Dequecker).
In den meisten Studien über Arthrose wird die Aufmerksamkeit allein auf Änderungen
im Gelenkknorpel gerichtet: Obwohl sich radiologisch im subchondralen, gitterähnlichen
Knochen eindeutige Veränderungen, wie subchondrale Sklerose und Zysten-Entstehung zeigen,
wird diesen Veränderungen oft wenig Aufmerksamkeit geschenkt, da ihr Enstehen
immer für sekundär gehalten wurde.
Johnsson vermutete, daß Knochenumbau, eine natürliche Begleiterscheinung des
Alterns, zu Unregelmäßigkeiten in der artikulären Oberfläche, und
infolgedessen Knorpel-Degeneration führen könnte. Radin et al. formulierte und
erforschte im Verlauf der Jahre eine Hypothese zum Mechanismus der Arthroseentstehung
und vermutete als ursächlich eine Veranlagung zur Versteifung im subchondralen
Knochen. Die wahrscheinlichste Ursache subchondraler Versteifung in einem ansonsten
funktionierenden Gelenk ist wiederholter Mißerfolg der muskuloskeletalen
“peak dynamic force attenuation mechanisms“. Die Gesundheit und Integrität des
Gelenkknorpels hängt von den mechanischen Eigenschaften seines knöchernen
Bettes ab. In bestimmten Arthrose-Modellen treten Änderungen des knöchernen
Bettes vor Knorpel-Veränderungen auf und lassen vermuten, daß dies in vivo ebenso
vorkommen kann.
Demgegenüber wäre der osteoporotische Knochen relativ weich, könnte somit
als ein ausgezeichneter Schock-Absorber fungieren und würde leicht Kompressionsfrakturen
seiner relativ schwachen Struktur erleiden. Der osteoporotische Knochen ist mangels
Knochenmasse, sogar nach zahlreichen Mikro-und Makrofrakturen nicht in der Lage so steif
zu werden, daß er seine schützende Schock-absorbierende Funktion in Verbindung zum
darüberliegenden Knorpel verlieren würde (Dequecker).
Obwohl viele Studien über die möglichen Ursachen der Arthrose durchgeführt wurden, sind
wir noch nicht in der Lage, schlüssig zu erklären, warum einige Individuen von
der Krankheit ein Leben lang verschont bleiben, während andere teilweise massiv
erkranken.
Wegen der inversen Beziehung der Knochendichte bei Osteoporose und Arthrose könnte das
Studium der Pathophysiologie der Arthrose deshalb bessere Einblicke für das Verständnis
der Osteoporose ermöglichen und umgekehrt.
Die oben erwähnten Beobachtungen veranlaßten uns, diese Krankheiten in einem
kombinierten Tierversuch zu erforschen. Die Experimente sind bereits angelaufen. Für
weitere Details kontaktieren Sie mich bitte persönlich.
Kritik, Anregungen und Vorschläge an WebmasterAllgemein - Last Update 16.11.1998